- Affektivität:
Mit Affektivität oder Gefühl ist eine der vier Mitteilungsformen
gemeint, in der KOMMUNIKATION auftritt. Affektivität bildet
sich auf der Grundlage der Unterscheidung von betroffen/nichtbetroffen
und der Differenz von Sympathie/Antipathie. Mit Hilfe von Gefühlen
wird generell 'Nähe' hergestellt, die aber nicht räumlich
gemeint ist. So sind sowohl 'Liebe' als auch 'Haß' Erscheinungsformen
von Nähe. Die Beobachtung von Affektivität geschieht
über Motive, ihre Operation über Affekte und Gefühle,
wobei Affekte als kurzzeitige Ereignisse, Gefühle dagegen
als langzeitige Zustände definiert werden.
- Asymmetrie/Symmetrie:
Unter einer symmetrisch bestimmten Lage ist eine Situation zu
verstehen, bei der es kein Übergewicht von irgendeiner Seite
gibt. Symmetrie beinhaltet Gleichheit: 'Alle Menschen sind vor
Gott (Religion) oder dem Gesetz (Recht) gleich'. In einer asymmetrisch
bestimmten Situation besteht ein Übergewicht einer Seite
über eine andere: 'nicht falsch, sondern wahr', 'nicht Unrecht,
sondern Recht'. In der symmetrischen Situation sind beide Seiten
gleichwertig, die asymmetrische ist durch die Bevorzugung einer
Seite einwertig. Trotzdem können die jeweiligen Bestandteile
auseinandergehalten (distingiert) werden. Das Ergebnis der Distinktionsoperation
in der symmetrischen Situation nennen wir Differenz, das entsprechende
Ergebnis in der asymmetrischen Situation nennen wir Unterscheidung.
Wir gehen davon aus, daß beide Formen, nämlich die
asymmetrische wie die symmetrische, voneinander abhängig
sind: es kann keine Symmetrie ohne Asymmetrie, und umgekehrt,
geben. Hieran schließen die Konzepte von Differenz und Unterscheidung
an.
- Asymmetrie/Symmetrie
und Unterscheidung/Differenz:
Eine Asymmetrie geht hervor aus einer Unterscheidung und eine
Symmetrie aus einer Differenz. Sie distingieren sich allerdings
dadurch, daß Asymmetrien und Symmetrien als Operationsformen,
während Unterscheidungen und Differenzen als Beobachtungsformen
definiert sind.
- Beobachtung:
Mit Beobachtung ist eine Tätigkeit (Operation) gemeint, die
nicht nur von Personen (Individualität bzw. personales System),
sondern auch von solchen Sinnsystemen wie Wirtschaft, Kunst, Politik,
Gesundheit, Religion usw. ausgeführt wird. So kann die Politik
die Wirtschaft beobachten, die Wirtschaft die Religion usw. Der
Begriff 'Beobachtung' muß daher sehr allgemein gehalten
werden, damit er auf die unterschiedlichen Sinnsysteme anwendbar
ist. Eine Beobachtung definieren wir daher auf der Ebene der Distinktionstheorie
ganz allgemein als die Verschränkung einer symmetrischen
Differenz mit einer asymmetrischen Unterscheidung mit dem Ziel,
Information zu produzieren. Je nachdem, wie die Form der Verschränkung
ausfällt, kann es verschiedene Beobachtungsmodalitäten
geben.
- Beobachtungsmodalitäten:
Es gibt nach der Distinktionstheorie mindestens sechs verschiedene
Formen, die 'Welt' zu begreifen: man kann sich zu ihr faktisch,
möglich, alternativ, beobachtungsmäßig, reflexiv
und selbstreflexiv verhalten. Die ersten drei Formen bezeichnen
wir als Handlungsformen, die letzten drei als Beobachtungsformen.
- Code/Programm:
Codes und Programme sind beständige Formprinzipien im Handlungs-
und Kommunikationsraum der Sinnsysteme, wobei ihre Beständigkeit
Folge ihrer gegenseitigen Stütze ist. Dabei bezeichnet Code
ein asymmetrisches Prinzip (z. B. für Wissenschaft 'wahr,
nicht falsch', für Recht 'Recht, nicht Unrecht' usw.). Programm
dagegen bezeichnet ein symmetrisches Prinzip (z. B. auf Wissenschaft
bezogen 'analytisch und synthetisch', auf Recht bezogen 'normativ
und kognitiv' usw.).
- Differenz/Unterscheidung:
Differenz (von disferre: auseinander, entzweitragen) nennen wir
eine Distinktion, die die Gleichwertigkeit ihrer beiden Seiten
zum Ausdruck bringt und daher seitenneutral, sprich: symmetrisch,
ist. Eine Unterscheidung (Unterscheidung: Erstellung eines Rangordnungsverhältnisses)
wiederum ist eine Distinktion, die der einen Seite den Vorzug
vor der anderen einräumt und insofern eine asymmetrische
Form aufweist.
- Distinktion:
Distinktion ist das zweckfreie Ergebnis eines Trennungs bzw. Scheidungsvorganges
(distineo: auseinanderhalten, trennen). Sie ist der Überbegriff
über zwei weitere Trennungsbegriffe: dem der Differenz (gleichwertige
Elemente) und dem der Unterscheidung (ungleichwertige Elemente).
Der Vorgang des Trennens (Distingierens) führt zur Herstellung
von Differenzen und Unterscheidungen. Durch die darauffolgende
Entscheidungsoperation kann es zu KOMMUNIKATION und HANDLUNG und
somit zu GESELLSCHAFT kommen. Distinktionen kann man darüber
hinaus allgemein als kognitive 'Reize' verstehen und in diesem
Sinne als Bedingung der Möglichkeit sinndimensionaler Sachlichkeit.
- Distinktionspragmatik:
Darunter ist eine theoretische Position zu verstehen, die die
Distinktionen 'Differenz' und 'Unterscheidung' im Rahmen lebensweltlich-pragmatischer
Gegenwarts-Kontexte verwendet, um sozialtheoretisches Wissen produzieren
zu können. Dabei wird Information als kognitives Ereignis
verstanden, welches lebensweltlich eine Wirkung erzeugen kann.
- Einheit:
Einheit ist einzig vor dem Hintergrund von Trennung (Distinktion)
als Einheit begreifbar.
- ENTSCHEIDUNG/Entscheidung:
Mit 'ENTSCHEIDUNG' meinen wir generell eine Festlegung, die auch
ohne Bewußtsein oder Intentionalität vonstatten geht.
Mit 'Entscheidung' wiederum ist eine verbale, aber vor allem eine
schriftliche Form von Festlegung gemeint, die auf der Grundlage
von Intentionalität geschieht.
- Erwartung/Erfahrung:
Erfahrung ist das Ergebnis der Ablagerung von Fakten, ist der
perfektische Aspekt einer sozialen Struktur. Erfahrungen haben
eine asymmetrische Form. Erwartung dagegen ist das Ergebnis der
Ablagerung von Möglichkeiten, ist der futurische Aspekt einer
sozialen Struktur. Erwartungen haben eine symmetrische Form. Die
Verschränkung von Erwartung und Erfahrung (Erwartungen selektieren
Erfahrungen, Erfahrungen stützen Erwartungen) stellt die
Form einer jeglichen GESELLSCHAFTsstruktur dar. Vermittelnd zwischen
Erwartung und Erfahrung befindet sich die Unmittelbarkeit als
die eigentliche Form von Operation. In elaborierterer Form tritt
sie als Gegenwart auf.
- 'etwas':
'Etwas' ist die Art und Weise einer sich noch zu konstituierenden
(sozialen oder sonstigen) Struktur (als System, Erwartung, Information
usw.). Es drückt den Schwebezustand zwischen dem noch-nicht-stattgefundenen
und dem bereits-stattgefundenen Ereignis aus, welches zur Bildung
von Struktur führen kann, wenn es vollzogen wird.
- Faktum/Möglichkeit:
Ein Faktum ist ein Sachverhalt, der in Form einer gegenwärtigen
Vergangenheit prozessiert. Jedes Faktum hat eine Form, die den
perfektischen Aspekt von kognitiver Realität zum Ausdruck
bringt. Eine Möglichkeit dagegen ist ein Sachverhalt, der
in Form einer gegenwärtigen Zukunft prozessiert. Jede Möglichkeit
bringt den futurischen Aspekt der kognitiven Realität zum
Ausdruck.
- Form/Selbstreferenz:
Mit Form ist der perfektische Aspekt des Zusammenspiels von Distinktionen
gemeint, während Selbstreferenz den futurischen Aspekt des
Zusammenspiels von Distinktionen zum Ausdruck bringt. Form ist
faktische Selbstreferenz, Selbstreferenz mögliche Form.
- Gegenwart:
Wird als eine Kategorie verstanden, die Zeit und Raummodi miteinander
koordiniert. So sind ein 'Jetzt' und ein 'Hier' sowohl zeitlich
als auch räumlich zugänglich. In Form von Gegenwart
wird 'Zeit' in der abendländisch-philosophischen Tradition
verstanden.
- GESELLSCHAFT/Gesellschaft:
Gesellschaft wird als eine politisch begrenzte Einheit verstanden,
als Nationalgesellschaft. GESELLSCHAFT ist Weltgesellschaft, symbolisiert
den Bereich möglicher KOMMUNIKATION (nicht Kommunikation
im Sinne der TsS!) überhaupt. Gesellschaft im Sinne von Luhmann
wäre hier in etwa, und d. h. nicht präzis genug, mit
'Sozialität' zu umschreiben.
- HANDLUNG/Handlung:
Sowohl 'HANDLUNG' als auch 'Handlung' bezeichnen Formen der Adressierung,
der Zuschreibung von 'Verantwortung', der Indizierung eines 'Verursachers',
der Selektionsbestimmung. Ihre kognitive Form ist in beiden Fällen
asymmetrisch. 'HANDLUNG' meint dabei die generelle Form der Indizierung
von 'Verantwortung', 'Handlung' jedoch die Selektionsbestimmung
als spezielle ausdrückliche Entscheidungsoperation. Die Einheit
von HANDLUNG besteht in der Distinktion von Annahme/Ablehnung
und Zweck/Mitteln.
- Individualität:
Mit Individualität oder Personalität ist eine der vier
Mitteilungsformen gemeint, in denen KOMMUNIKATION auftritt. Individualität
('Unteilbarkeit') bildet sich auf der Grundlage der Distinktionen
von bewußt/unbewußt und von besonders/allgemein. Mit
Hilfe von Individualität werden Einzigartigkeiten bzw. Einmaligkeiten
mitgeteilt und 'Distanzen' hergestellt zu allem, was gedanklich-bewußtseinsmäßig
erfaßt wird. Die Operationen von individuellem Bewußtsein
laufen über Gedanken und Ideen, ihre Beobachtung über
Willensbekundungen.
- Kognition:
Kognition gibt den Realitätsbereich wieder, der mit Hilfe
von Distinktionen zugänglich ist. Die uns zugängliche
Realität ist ausschließlich distinkt verfaßt,
d. h. sie ist in handlungs- und kommunikationsbereite Einheiten
aufgeteilt.
- KOMMUNIKATION/Kommunikation:
'KOMMUNIKATION' meint ein generelles Selektions-Angebot, das sich
auf die vier Mitteilungsformen 'Leiblichkeit', 'Personalität',
'Affektivität' und 'Sozialität' bezieht. 'Kommunikation'
meint ein spezielles Selektions-Angebot, das sich ausschließlich
auf die Mitteilungsform 'Sozialität' bezieht und in erster
Linie sprachlich bzw. schriftlich vonstatten geht. Die kognitive
Form von KOMMUNIKATION und Kommunikation ist immer symmetrisch.
Die Einheit von KOMMUNIKATION besteht in der Distinktion von Verstehen/Mißverstehen
und von Information/Mitteilung.
- Komplexität:
Verschiedenartiges zusammenzufassen ist ein Zwang, dem sich jeder
Sachverhalt unterwerfen muß, der sich als Einheitskomplex
konstituieren will. Alle einzelnen Bestandteile müssen zumindest
ein gemeinsames Kriterium aufweisen, um der übergeordneten
Einheit angehören zu können. Dabei werden die Einzelbestandteile
vereinfacht (Komplexitätsreduktion). Die so gebildete Einheit
von Verschiedenartigem nennen wir dann Komplexität.
- Leiblichkeit:
Mit Leiblichkeit ist eine der vier Mitteilungsformen gemeint, in der KOMMUNIKATION auftritt. Leib wird als die reflexive Form des Körpers definiert. Leiblichkeit bildet sich auf der Grundlage der Distinktionen von körperlich/nichtkörperlich und von Sinneswahrnehmung und Erscheinung. Mit Hilfe von Leiblichkeit werden 'Faktizitäten', 'Notwendigkeiten' bzw. 'Nichtänderbarkeiten' mitgeteilt. Die Beobachtung von Leiblichkeit findet über Gestik statt.
- Logik, System der operationalen:
Gibt die Bedingungen an, die man an Operationen stellen muß,
damit diese ordnungsgemäß vollzogen werden können.
Es handelt sich um eine Logik vor der Logik, nämlich um eine
ProtoLogik. Geht man davon aus, daß eine jegliche Operation
nur zwei Möglichkeiten hat, nämlich stattzufinden oder
nicht stattzufinden, so besagt das Identitätsprinzip für
Operationen: Erst das zweite Stattfinden einer Operation, ihre
'Zweitmaligkeit', konstituiert Identität. Das Widerpruchsprinzip
für Operationen lautet: Wenn eine Operation entweder stattfinden
oder nicht stattfinden kann, so kann nicht beides zugleich geschehen.
Das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten für Operation lautet:
Wenn eine Operation entweder stattfinden oder nichtstattfinden
kann, so kann nicht zugleich beides ausgeschlossen werden. Bei
dieser ProtoLogik handelt es sich um den operationalen Aspekt
logischer Sachverhalte.
- Logik, System der sprachlichen:
Das System der sprachlichen Logik gibt die Bedingungen an, die
man an sprachliche Äußerungen zu stellen hat, damit
diese wahrheitsfähig sein können: Satz der Identität,
des Widerspruchs und des ausgeschlossenen Dritten. Es bezeichnet
außerdem den Beobachtungsaspekt logischer Sachverhalte.
- Negation:
Negation setzt immer Distinktion voraus, um sich konstituieren
zu können. Negation kommt operational durch die diskreten
'Lücken' bzw. 'Leerstellen' zustande, die zwischen dem Ende
einer Operation und dem Anfang der nächsten entstehen. Diese
Lücken lassen die Distinktion 'operieren/nicht-operieren'
entstehen. Eine sinnmäßige Ablagerung solcher 'Lücken'
oder 'Leerstellen' (Negationen) bildet das, was wir eine Beobachtung
nennen, die somit die Operation einer 'Nichtoperation' ist.
- Objekt:
Ein Objekt ist eine Ereignisrelation, bestehend aus mindestens
vier distinkten Ereignissen, die sich in perfektischer (aussagemäßiger)
und somit asymmetrischer (operativer) Form zu zwei Distinktionen
verbinden. Objekte sind nur 'Objekte für einen Beobachter',
Objekte 'an sich' gibt es nicht. Gleichwohl besteht die Funktion
von Objekten gerade darin, objektive 'an-sich-Formen' zu präsentieren,
und damit eine subjektlose Haltung zu ermöglichen.
- Operation:
Alles, was geschieht, wenn es geschieht, geschieht im Augenblick.
Eine Operation (als Handlungsvorgang z. B.) hat daher nur zwei
Möglichkeiten: entweder sie findet statt, oder sie findet
nicht statt. Findet sie statt, so bilden sich zugleich die Sinndimensionen
Zeit und Sachlichkeit. Im Stattfinden/Nicht-stattfinden sind 'Zeit'
und 'Distinktheit' als sachliche Dimension bzw. als Beobachtungspotentialität
zugleich mitenthalten. Damit ist auch gesagt, daß jegliche
Operation ihre durch die Emergenz von 'zeitlich bestimmter Distinktheit'
gegebene Unterscheidbarkeit in irgendeiner Weise innerhalb der
Gegenwart synchronisieren muß. Daher entsteht für jegliches
in der Unmittelbarkeit operierende 'Etwas' das Problem der Integration
von 'gleichzeitiger Ungleichzeitigkeit'.
- Paradoxie:
Paradox nennen wir einen Sachverhalt, der mit seinem Gegenteil
identisch ist. Paradoxien (und ebenso Tautologien als 'verdeckte'
Paradoxien) lassen sich über die Zeitdimension entparadoxieren,
indem gezeigt wird, wie sie zustandegekommen sind. Paradoxien
kommen nämlich in der Regel durch die Gleichzeitigkeitssetzung
von Ungleichzeitigkeiten und somit durch die Annahme von 'zeitlosen
Anfängen' auf. Paradox ist jegliche Form von Identität,
in dem Sinne, daß sie ein Zugleich von Gleichheit und Verschiedenheit
benötigt, um sich als 'identisch' halten zu können.
So entstehen Identitäten als die klassische Form von 'zeitlosem
Anfang' innerhalb der Zeitdimension. Ihre Darstellung findet jedoch
innerhalb einer Gegenwart statt, die das ungleichzeitig zustandegekommene
Distinkte als gleichzeitig gegeben setzt.
- Realität:
Mit Realität meinen wir die kognitiv über distinkte
Operationen zugängliche Wirklichkeit. Wir gehen von der asymmetrischen
Distinktion einer realen und einer kognitiven Realität aus,
wobei die reale Realität den 'blinden Fleck' der kognitiven
Realität darstellt. Dieser 'blinde Fleck' kommt dadurch zum
Ausdruck, daß wir die kognitiv verfaßte Realität
für die 'eigentlich reale Realität' halten.
- Selbstreferenz:
Mit Selbstreferenz ist der Aspekt des Zusammenspiels von Distinktionen
gemeint, der die futurische Zeit einbezieht. Form dagegen bringt
den perfektischen Aspekt des Zusammenspiels von Distinktionen
zum Ausdruck. Selbstreferenz ist mögliche Form, Form ist
verwirklichte Selbstreferenz.
- Sinn:
Sinn nennen wir die Operation eines Verweisungszusammenhanges,
welcher aus der Gegenwartsposition faktisch Gegebenes auf potentiell
Mögliches bezieht. Dabei weist das Faktische eine asymmetrische,
das Mögliche eine symmetrische Form auf. Da die Verweisungsoperation
in der unmittelbaren Gegenwart geschieht, entsteht hierdurch das
Komplexitätsproblem der Synchronisierung des Zugleich von
bestimmten Fakten und unbestimmten Möglichkeiten zu einer
Sinneinheit, die sich nur durch Reduktion ihrer Komplexität
zu einer Einheit bilden kann. Sinn ist somit daher immer schon
'reduzierter Sinn'.
- Sinndimensionen:
Dieser Begriff bezieht sich auf die Form von Distinktion. Nimmt
man die Sinndimensionen von Zeit, Raum, Sachlichkeit und Sozialität
dazu und bezieht sie auf die Seiten der symmetrischen Distinktion,
so kann entsprechend eine zeitlich, eine räumlich, eine sachlich
und eine sozial bestimmte Symmetrie aufgezeigt werden: 'noch-nicht-bezeichnete/bereits-bezeichnete'
Seite (Zeit), 'komplette/unvollständige' Seite ( Raum), 'bestimmte/unbestimmte'
Seite (Sachlichkeit) und 'wählbare/nicht-wählbare' Seite
(Sozialität).
- Sozialität:
Mit Sozialität ist eine der vier Mitteilungsformen gemeint,
in der KOMMUNIKATION auftritt. Sozialität bildet sich auf
der Grundlage der Distinktionen von öffentlich/nicht-öffentlich
und von verbal/nicht-verbal. Mit Hilfe von Sozialität wird
Konsens hergestellt. Die Operationen von Sozialität laufen
über Themen und Beiträge, ihre Beobachtung über
Rollen.
- Sinnsystemarten:
Dieser Begriff bezeichnet die Mitteilungsformen von KOMMUNIKATION,
die vier Sinnsysteme bilden: Sozialität, Personalität,
Affektivität und Leiblichkeit.
- Struktur/Prozeß:
Strukturen sind immer Zeitstrukturen von langer Dauer. Ihre Funktion
besteht darin, Prozeßsequenzen auszuwählen. Prozesse
wiederum haben zeitlich gesehen eine kürzere Zeitdauer, wobei
ihre Funktion darin besteht, Strukturen 'zu stützen'. Strukturen
und Prozesse bedingen sich daher gegenseitig. Auf gesellschaftstheoretischer
Ebene sind Strukturen Erwartungsstrukturen und Prozesse Erfahrungsereignisse,
wobei nach der TsS Gesellschaftstheorie erst auf der Grundlage
dieser beiden Konzepten möglich ist.
- Symmetrie:
Symmetrien haben die Funktion, entscheidbare Prozeße dadurch
in Gang zu setzen, daß sie Unentscheidbarkeiten in Form
von Distinktionen präsentieren. Eine Symmetrie ist die Operationsform
einer Differenz, während eine Asymmetrie die Operationsform
einer Unterscheidung wiedergibt.
- Tautologie:
Tautologisch ist ein Sachverhalt, der mit sich selbst identisch
ist. Eine Tautologie ist letztendlich eine verdeckte Paradoxie.
Sie negiert die Zweiteiligkeit ihrer Aussage, daß 'etwas
ist', 'was es ist', in demselben Augenblick, in dem sie deren
Identität behauptet.
- Unmittelbarkeit:
Damit ist der eigentliche Operationsmodus einer Operation gemeint:
immer, wenn eine Operation stattfindet, findet sie im 'momenthaften
Augenblick' statt. Die elaborierte Form von Unmittelbarkeit ist
die Gegenwart, wobei es sich bezogen auf die Form von Aussagen
hier um die präsentische Form einer Aussage handelt. Religionsphilosophisch
ist die Gegenwart die 'Epiphanie der Ewigen Gegenwart', ein Sachverhalt,
der auf Platon und Parmenides zurückgeht. Über Unmittelbarkeit
wird die Distinktion von Dauer/Augenblick konstituiert, die in
ihrer elaborierteren Form eben zur Distinktion von Struktur/Prozeß
führt.
- Unterscheidung:
'Unterscheidung' bezeichnet eines der drei Trennungskonzepte dieser
Arbeit. Bei einer Unterscheidung wird die Rangfolge des Getrennten
vorgenommen. Unterscheidung stellt also eine seitenparteiische
Distinktion dar. über die Koppelung zweier Unterscheidungen
kann es zur Bildung einer Differenz kommen; über die Vereinseitigung
einer Differenz kann es zur Bildung einer Unterscheidung kommen.
- Vergangenheit/Zukunft:
Sie geben die elaborierte Form der Distinktion von vorher/nachher
wieder. Vergangenheit und Zukunft finden immer nur in der Gegenwart
statt und sind daher immer nur in Form einer 'gegenwärtigen
Vergangenheit' und einer 'gegenwärtigen Zukunft' operationsfähig.
- Wahrheit, pragmatische :
Wahre Erkenntnisoperationen sind aus der Perspektive der Wahrheitspragmatik
kognitive Operationen, die an die jeweiligen Umstände angepaßt
sind. Eine pragmatische Wahrheitstheorie ist immer an eine Theorie
soziokultureller Evolution gebunden, da nur im Rahmen einer solchen
Theorie sinnvollerweise von einer Anpassung an die jeweiligen
Umstände gesprochen werden kann. Die pragmatische Wahrheitstheorie
bezieht die Übereinstimmungstheorie der Wahrheit insofern
mit ein, als eine 'Übereinstimmung zwischen Aussage und Sachverhalt'
wahrheitspragmatisch als 'Anpassungsprozeß von Schlüssel
zu Schloß' interpretierbar ist.
Copyright © 1996 joki0733@mailszrz.zrz.tu-Berlin.de
All Rights Reserved
This Page Last Revised: 24.09.1996