Zur Person:
- eigentlicher Begründer der modernen Soziologie
- Begründer der modernen Handlungstheorie
Aufgabe der Soziologie:
Soziologie soll heißen, eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in
seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.
Spezifizierung von sozialem Handeln:
- Menschliches Verhalten ist dabei die allgemeinste Einordnung = äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden
- Handeln ist jener Teilbereich daraus, wenn und insofern als der oder die Handelnde mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden
- Soziales Handeln soll ein solches Handeln heißen, welches seinem Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und
daran in seinem Ablauf ausgerichtet ist
Spezifizierung von verstehender Soziologie
(1. Schritt einer soziologischen Untersuchung nach Weber):
Es ist nach Weber die wesentliche Aufgabe der Soziologie, den subjektiven Sinn von Handlungen zu verstehen; und nur
sinnhaftes Handeln ist von soziologischem Interesse, rein reaktives Handeln nicht. Für seine Soziologie als eine empirische
Wissenschaft bedeutet Sinn:
Er besteht in subjektiven Zwecken, Werten, Mitteln, Motiven, die das Individuum bewußt oder unbewußt mit seinen
Handlungen verbindet und die der Beobachter dem Individuum nach den durchschnittlichen Denk- und
Gefühlsgewohnheiten als typischen Sinnzusammenhang zuschreibt und zwar
- in einem historisch gegebenen Fall von einem Handelnden oder
- durchschnittlich und annhernd in einer gegebenen Masse von Fällen oder
- in einem begrifflich konstruierten reinen Typus von dem oder den als
Typus gedachten Handelnden subjektiv gemeinten Sinn
Die Soziologie soll also Typen-Begriffe bilden und generelle Regeln des Geschehens suchen. Typen-Begriffe sind
gedankliche Abstraktionen der Realität, deren Inhalt der generalisierte Sinn von Handlungen ist. Sie stellen die reine Essenz
bestimmter Handlungsmuster (Idealtypen) dar, der sich reales Handeln annähert. Dieses Vorgehen, bei dem ein
konkretes, beobachtbares menschliches Handeln mit einem idealtypisch konstruierten Sinn unterlegt wird, führt nicht zu
einer kausal gültigen Deutung, sondern einzig zu einer besonders evidenten kausalen Hypothese. Es handelt sich deshalb
nur um eine Hypotheses, weil
- den Handelnden die Motive ihres Handelns oft selbst nicht bewußt sind, bzw. durch andere verdrängt sind,
- hinter gleichen Handlungen können höchst verschiedene Sinnzusammenhänge liegen.
Weber nimmt eine idealtypische Vierteilung des sozialen Handelns vor,
die von der typischerweise möglichen Orientierung des sozialen Handelns ausgeht:
Demnach kann das soziale Handeln bestimmt sein als
- zweckrational: zweckrationales Handeln ist rationales Handeln, das unter der Prämisse Nutzenmaximierung
und Kostenminimierung steht. Ein angestrebtes Ziel soll auf bestmögliche Weise unter möglichst wenig
Einsatz erreicht werden. Der Idealtypus, der ausschlielich zweckrational handelt, ist der homo oeconomicus
- wertrational: durch bewußten Glauben an den unbedingten Eigenwert eines bestimmten Sichverhaltens rein als solchen
und unabhängig von Erfolg
- affektuell: insbesondere emotional, durch aktuelle Affekte und Gefühlslagen
- traditional: durch eingelebte Gewohnheiten
Diese vier Handlungstypen sind die Grundlage der meisten anderen Grundbegriffe Webers
(z. B. legitime Ordnung, Gemeinschaft, Gesellschaft).
Spezifizierung von erklärender Soziologie
(2. Schritt einer soziologischen Untersuchung nach Weber):
Kausal adäquat (üblich) soll ein Aufeinanderfolgen von Vorgängen in dem Grade heißen,
als nach Regeln der Erfahrung eine
Chance besteht, daß sie stets in gleicher Weise tatsächlich abläuft. Kausale Erklärung
bedeutet also die Feststellung, daß
nach einer irgendwie abschätzbaren Wahrscheinlichkeitsregel auf einen bestimmten beobachtbaren Vorgang ein bestimmter
anderer folgt (oder mit ihm gemeinsam auftritt).
Abgrenzungen zur funktionalen Theorie:
- Funktionale Theorie erklärt Phänomene als Funktion eines Ganzen, wobei das spezifisch soziale (die Sinnbezogenheit
subjektiven Handelns) unberücksichtigt bleibt
- Kollektive sind nicht aus sich heraus und in ihrer Funktion verstehbar, sondern sie sind lediglich Abläufe und
Zusammenhänge spezifischen Handelns einzelner Menschen, da sie Träger von sinnhaft orientiertem Handeln sind
- Die Ausgangsfrage soziologischer Reflexion sollte nicht vom Ganzen oder von den sozialen Banden eines Aggregate
ausgehen, sondern in der sinnbezogenen, sozialen Handlungsorientierung des einzelnen
Zusammenfassung
Die Soziologie ist das Studium der sozialen Handlungen mit subjektivem Sinn. Der mit einer Handlung verbundene subjektive Sinn
kann durch gedanklichen Nachvollzug verstanden werden - Soziologie in diesem Sinne ist verstehende Soziologie. Gesellschaft ist
ein Komplex sozialer Beziehungen einer Vielzahl Handelnder (mit subjektivem Sinnbezug). Zentrales Objekt der Soziologie sind
also die an anderen orientierten und auf andere in ihrem Ablauf bezogenen Handlungen einzelner, letzte Einheit soziologischer
Analyse ist der einzelne Handelnde.
Methodisches Instrument zur Erfassung sozialer Strukturen ist der Idealtypus, die gedankliche Akzentuierung bestimmter
wesentlicher Züge eines sozialen Phänomens, methodisches Hilfsmittel zum Vergleich ähnlicher Strukturen.
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